Referenzen

Tageszeitungen – Zeitschriften – Online.

Ein Überblick meines Schaffens. In chronologischer Reihenfolge.

Aus lizenzrechtlichen Gründen können manche Artikel leider nicht im Original dargestellt werden.

 

 

„Liebe Musikjournalistin, lieber Musikjournalist,

willkommen im Neuland“

Essay über modernen Musikjournalismus. erschienen auf http://www.kaput-mag.com, 23.05.2015

Link

 

 

„Der lange Weg zum Traumberuf“

Reportage/Porträt über einen Schauspielstudenten. erschienen in: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 23.05.2015

Gabriel_Kähler

 

 

„Das ist wie beim Monopoly“

Reportage/Porträt über einen Flaschensammler. erschienen in: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 16.05.2015

Burkhard_Heiß

 

 

„Es ist schön, wenn man Orte und Menschen

über Jahrzehnte kennt“

Reportage/Porträt über einen Heizöllieferanten. erschienen in: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 10.01.2015

Carl-Andreas „Carlo“ Fritzsche arbeitet seit 36 Jahren als Heizöllieferant. Angefangen hat er bei Albert Thoms, inzwischen ist er für „team energie“ in Garbsen tätig. Jeden Tag ist er etwa 12 Stunden auf Hannovers Straßen unterwegs, um zahlreiche Kunden mit Heizöl zu beliefern.

9:10 Uhr

Nordhafen, Endhaltestelle der Bahnlinie 6: Industriegebiet. Entlang der Hansastraße, direkt am Mittellandkanal, befinden sich Logistikfirmen, Recyclingsammelstellen und ein Tanklager. Dort wartet ein grüner LKW, daneben steht ein etwas stämmiger Mann mit schwarzen lockigen Haaren, die an der Seite schon etwas grau sind. Er trägt schwere Stiefel und einen Blaumann mit eingenähtem Namensschild. Carl-Andreas Fritzsche, 57 Jahre alt und knapp über 1,70 m groß, setzt sich seine Basecap auf. Seine Schicht begann schon vor drei Stunden, da füllte er seinen LKW-Tank mithilfe eines 20 Zentimeter dicken Rohres mit 2000 Litern pro Minute auf. Um täglich zehn bis 12 Kunden beliefern zu können, muss er noch zwei oder drei Mal herkommen. Er ruft seinem Kollegen einen schönen Tag zu und steigt in den Mehrtonner ein. Nun geht die Fahrt mit 14000 Litern Heizöl im Rücken los. Sein MAN hat „480 PS unter der Haube und wiegt 26 Tonnen“, erzählt er voller Stolz.

9:17 Uhr

Auch wenn sich der Winter schon längst breit gemacht hat und immer weniger Ölheizungen in Deutschland genutzt werden, herrscht eine große Nachfrage für Heizöl. „Wir haben täglich Aufträge in Hannover und Umgebung. Der Kurs schwankt mehrmals am Tag“, erklärt Fritzsche auf dem Weg zum ersten Kunden. „Die meisten füllen spontan ihren Vorrat auf.“ Zurzeit steht der Literpreis bei etwa 54 Cent, demnächst könnte er weiter fallen: „Vor ein paar Wochen war er noch viel höher.“ Fritzsche hält seinen Arbeitsplatz schlicht, es stehen keine Figuren oder Schilder vor der Windschutzscheibe, wie man es sonst oft bei LKW-Fahrern sieht. Auch der Geruch von Öl bleibt fern. Am großen Tank befinden sich zwei orangefarbene UN-Gefahrentafeln. Eines steht für „umweltgefährlich“, illustriert mit sterbendem Fisch und kahlem Baum. Das andere zeigt „30 1202“ und kennzeichnet seine Ladung als Gefahrengut. Trotz tausenden von Litern des entflammbaren Heizöls ist sein Job nicht gefährlich. „Da muss schon eine Menge passieren, dass mein LKW explodiert“, sagt er und lacht herzhaft.

9:25 Uhr

Erster Stopp in Langenhagen, Fritzsche biegt mit seinem Tanklader in die Straße ein und stoppt vor einem Einfamilienhaus. Eine ältere Frau in Jogginghose, roter Jacke und langen grauen Haaren öffnet die Tür. Freundlich und in ruhigem Ton stellt er sich vor und fragt nach dem Anschluss. Dann zieht er ein dünnes Kabel aus einer Steuerkonsole, die sich unter dem Tank befindet: „Das Grenzwertkabel. Es verhindert, dass der Tank überläuft“, erklärt er, während er das Kabel zum Haus zieht. Mit einem etwa faustdicken Schlauch leitet er das Heizöl in die Tanks. Die Frau hat 3500 Liter bestellt, das „reicht etwa für ein Jahr.“ Im Keller angekommen steigt der stechende Geruch von Heizöl sofort in die Nase. Bei den Tanks fällt Fritzsche ein Problem auf. „Die Saugleitung ist kaputt! Das müssen Sie bald reparieren. Aber das machen wir auch“, beruhigt er die Kundin. Durch die Verstopfung können nur knapp 2000 Liter aufgefüllt werden, die Frau stellt besorgt Nachfragen. Fachmännisch erklärt er ihr Schritt für Schritt den Schaden, währenddessen steuert er mit einer Fernbedienung die Geschwindigkeit, mit der das Öl in den Tank fließt. Beim Zusammenpacken hupt ein Auto. Es will vorbei, doch der LKW blockiert die Straße. Mit einem freundlichen „Keine Sorge, ich bin gleich fertig!“ hat er den aussteigenden Fahrer schnell beruhigt. Der Kontakt zu Menschen ist auch genau das, was Carlo Fritzsche an seinem Beruf so schätzt. „Ich rede sehr gerne mit den Leuten. Das Heizöl ist für mich eher nebensächlich.“ Nur noch schnell verabschieden, dann setzt er seinen Mehrtonner wieder in Bewegung.

9:45 Uhr

Während der LKW über die Straßen rollt, singt Michael Jackson im Radio „Billie Jean“. Der nächste Stopp ist eine Auto-Firma in Langenhagen. Beim Passieren einer Gärtnerei hält er nach dem Besitzer Ausschau. „Wir kennen uns schon seit Jahren“, sagt er. Seit seiner Geburt 1957 hat er Hannover nie über einen längeren Zeitraum verlassen. Er fühlt sich hier einfach wohl und „es hat ja auch was, wenn man Orte und Menschen über Jahrzehnte hinweg kennt.“ So wie die meisten seiner Kunden. Damals fing er als Kfz-Mechaniker an, bis er eines Tages auf eine Zeitungsannonce stieß: Aushilfe als Heizöllieferant gesucht. „Das hat mir dann so gut gefallen, dass ich einfach in der Branche geblieben bin.“ Mittlerweile macht er den Job seit 36 Jahren und er reicht für die Versorgung seiner Familie aus. Mit seiner Frau, drei Kindern, zwei Enkeln und seiner Mutter lebt er in einem großen Mehrgenerationenhaus. „Mein Sohn ist Hörgeräteakustiker, meine Tochter arbeitet in einem Kaufhaus, die jüngste Tochter ist noch in der Ausbildung.“ Seine Frau kümmert sich um die Oma und die Enkel.

10:05 Uhr

Beim Kunden in Langenhagen macht sich Fritzsche auf die Suche nach einem Ansprechpartner. Hier werden 2000 Liter abgeliefert. Wie andere Branchen hat sich das Heizöl-Geschäft in den letzten Jahren verändert. „Die Nachfrage ist zurückgegangen, das liegt vor allem an der Preisentwicklung. Heutzutage ist der Wettbewerb viel härter.“ Das Liefergebiet hat sich vergrößert, „heute muss ich oft viele Kilometer zwischen den Kunden zurücklegen.“ Das scheint ihn aber nicht sonderlich zu stören. Sein nächstes Ziel ist im 25 km entfernten Kirchrode, gegen 18 Uhr hat er Feierabend. Dann gibt er seine Kleidung bei der Firma ab, um den Ölgeruch nicht nach Hause zu tragen: „Sonst werde ich gar nicht erst reingelassen“, scherzt er.

 

 

„Wer fleißig ist, hat Möglichkeiten“

Reportage/Porträt über einen Kioskbesitzer. erschienen in: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25.10.2014

Der Artikel erschien auch online.